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1/2014 | LAFARGE FORUM | 17 immer fasziniert. Der Eindruck mit ihrer Bogenkonstruktion war überwältigend, unabhängig davon, dass man mit ihr die Legionen schnell und sicher in den Kampf gegen die Daker schicken konnte. Und so hatte er sich entschlossen, Apollodor doch einen Auftrag zu erteilen. „Natürlich nicht mehr den Tempel“, stellte Cesarius befriedigt fest, „Den baut ein Anderer für ihn. Dein Glück ist, dass sich der Kaiser entschlossen hat, das Pantheon neu errichten zu lassen“. Das Pantheon war ursprünglich ein Tempel, den Agrippa nach seinem Sieg bei Actium von 27 bis 25 v. Chr. zu Ehren seines Freundes und Förderers Augustus hatte errichten lassen. Der Bau brannte während eines Feuers im Jahr 80 n. Chr., das weite Teile Roms heimsuchte, nieder und wurde unter Kaiser Domitian restau- riert. Im Jahr 110 brannte das Pantheon infolge eines Blitzschlages erneut und konnte heute nur noch neu aufgebaut werden. Und dafür hatte Kaiser Hadrian noch keine eigenen Pläne! Aber eine Bedingung: Wenn ihm das Ergebnis nicht gefiel, zahlte Apollodor mit seinem Leben. Zwei Jahre später, man schrieb das Jahr 120 nach Christus, saß Apollodor inmitten seiner Bauleute und fühlte sich wie alle auf dem Platz: Einfach nur glücklich. Die Pläne für das neue Pantheon hatte der Architekt schon immer im Kopf und deshalb schnell gezeichnet. Mittelpunkt seiner Vision war ein kreisrunder, von einer riesigen Kuppel dominierter Innenraum, wie er in der römischen Tempel- architektur ohne Vergleich war. Dieser überwölbte Rundbau sollte einen Innendurchmesser und eine Innenhöhe von 43 m haben. Und das war das Problem. Er brauchte einen Baustoff, mit dem er so bauen konnte. Holz schied aus, denn wenn er baute, dann für die Ewigkeit. Auf seiner Suche nach der Lösung stieß er auf „Opus Caemen- titium“. Viele seiner Kollegen nannten es auch „den künstlichen Stein“. Dieses Opus Caementitium wurde aus Steinen, Sand und gebranntem Kalkstein gemischt, wobei als Zuschlag Puzzolane* beigesetzt wurden. Der Name stammt vom italienischen Ort Puteoli in den Phlegräischen Feldern westlich von Neapel, wo schon immer große Mengen an puzzolanischer Vulkanasche gewonnen wurden. Erst durch die Beimengung dieser Aschen, das wusste Apollodor, erhielt das Opus caementitium jene hydraulischen Eigenschaften, durch die das Gemisch nach der Zugabe von Wasser zu einem Stein aushärtete. Das war seine Lösung! Alle Zweifel, ob Opus caementitium auch den Ansprüchen an ein solch gewaltiges Bauwerk erfüllen konnte, wischte er zur Seite. Er kannte viele Bauwerke, die damit hergestellt wurden. Bekannt waren besonders Wasserleitungen und Hafenmolen. Opus caementitium schien auch unter Wasser unverwüstlich. Aber als Baustoff für eine 43 m hohe freitragende Kuppel? Seine Entscheidung war gefallen. Er baute einen 7,50 m breiten und 4,60 m tiefen Ring aus Gussmauerwerk als Fundament. Darauf die Mauern größtenteils aus mit Ziegeln ummauertem Opus Caementitium. Fünf Jahre später, im Jahre des Herrn 125 war die größte Kuppel der Welt fertig. Das sollte sie für mehr als 1700 Jahre bleiben, bis der Dom Santa Maria del Fiore in Florenz mit 45 m Kuppelweite nach 437 Jahren Bauzeit endgültig fertig gestellt wurde. Bis heute hat das Pantheon die Zeiten nahezu ohne Beschädigungen überstanden. Anders Apollodor. Sicher, dass ihn sein Genie vor allem schützte, konnte er es nicht unterlassen, den Kaiser weiter zu kritisieren. Nachdem er das auch noch aus der Verbannung tat, ließ Hadrian ihn hinrichten. * Puzzolane sind künstliche oder natürliche Gesteine aus Siliziumdioxid, Tonerde, Kalkstein, Eisenoxid und alkalischen Stoffen, die zumeist unter Hitzeeinwirkung entstanden sind. In Verbindung mit Calciumhydroxid und Wasser sind sie bindefähig. Puzzolane werden als Zusatzstoffe für die Herstellung von Zement und Mörtel verwendet.

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