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16 | LAFARGE FORUM | 1/2014 LAFARGE INTERN Apollodor von Damaskus, so sein vollständiger Name, wusste, dass Hadrian heute niemals Scheu zeigte, mit eigenen Konstruktionsvorstellungen und Entwürfen auch unter Meistern des Faches aufzuwarten. Hadrian war bekannt als großer Förderer der Architektur. Die Bibliothek in Athen, die Engelsburg in Rom oder selbst die Hadriansvilla bei Tivoli waren unter seiner Regierung entstanden. Den Architekten Apollodor hatte er dazu aber bis heute nicht gebraucht. Der Kaiser kam sehr schnell zum Thema. „Apollodor, das sind meine Pläne für den neuen Tempel der Venus und der Roma. Willst du ihn für mich bauen?“ Apollodor betrachtete die Entwürfe und schüttelte den Kopf. „Mein Kaiser, gern möchte ich nach deinen Ideen bauen, aber nicht nach diesen Plänen.“ Er kam nicht mehr dazu zu erklären, was ihm nicht gefiel. Auf einen Wink des Kaisers wurde er von zwei Centurionen gepackt und aus der Halle geschleift. Eine Woche später hatte Apollodor sich langsam an das trübe Licht in seinem Kerker gewöhnt. Er konnte die vielen Botschaften, die in die Wände geritzt waren, erkennen und lesen. Plötzlich öffnete sich die Tür und eine hochgewachsene, in eine Toga gekleidete Person betrat sein Verließ. Sie kam ihm bekannt vor. „Du siehst richtig“, sagte der Mann, „ich bin es, Cesarius.“ Apollodor erinnerte sich an ihn. Cesarius war der Führer der neuen Leibwache des Kaisers, der sogenannten equites singulares. Trajan hatte diese Einheit aus Kavallerieeinheiten geschaffen. Die Mitglieder dieser anfangs fünfhundert Mann, später eintausend Mann starken Truppe wurden sorgfältig aus Germanen und Pannoniern der in diesen Provinzen beheima- teten berittenen Auxiliareinheiten ausgewählt. Sie bildeten damit ein Gegengewicht zur italisch geprägten Prätorianergarde. „So weit hast du es also gebracht“, höhnte Cesarius. Als Apollodor nicht reagierte, musste Cesarius wohl oder übel seinen Auftrag erledigen. Was er berichtete, ließ Apollodor erschaudern und begeistern zugleich. Hadrian hatte sich trotz seines Verhaltens an seine Leistungen unter seinem Vorgänger erinnert. Vor allem die Trajansbrücke über die Donau hatte Hadrian schon GESCHICHTE MIT GESCHICHTEN Apollodor betrat die Halle mit keinem guten Gefühl. Zehn Jahre war es her, dass er als Architekt dem damaligen Kaisers Trajan vortrug und dabei von dem auch anwesenden Hadrian unterbrochen wurde. Damals war es Apollodor gleichgültig, ob diese Unterbrechung aus Wissens- durst oder Unüberlegtheit heraus kam. „Verzieh dich und zeichne deine Kürbisse. Du verstehst nichts von diesen Dingen.“ Mit diesen Worten hatte er Hadrian zurechtgewiesen. Heute ist dieser selbst der Kaiser und hatte nach Apollodor gerufen.

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