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OPTERRA_Forum_2_2016

16 | OPTERRA FORUM | 2 - 2016 OPTERRA AKTIV „Individualität in Form, Farbe und Oberflächenstruktur.“ So ist die Internetseite der Rupp Betonerzeugnisse GmbH überschrieben. Zu Hause ist die benannte Individualität auf der Seite selbst eher nicht. Auch der Betrieb am Rande der thüringischen Kleinstadt Neustadt an der Orla lässt dies rein äußerlich kaum vermuten. Produktions- und Büroge- bäude befinden sich etwas verborgen und unscheinbar auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei. Matthias Rupp, Inhaber der Rupp Betonerzeugnisse GmbH, hat hier vor dreizehn Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit getan. „Im Gepäck hatte ich einige Jahrzehnte Berufserfahrung, das Fachwissen und den festen Willen, meine Ideen in außergewöhnlichen Betonelementen umzusetzen“, be- schreibt der diplomierte Bauingenieur seine Motivation. Das Unternehmen entwickelte sich gut. Heute sind zwölf Mitarbeiter beschäftigt, die einen jährlichen Umsatz von mehr als einer Million Euro erwirtschaften. Eine beacht- liche Zahl. Auch weil sie das Ergebnis kleinerer Projekte ist. „Zu uns kommen Landschafts- und Hochbauarchitekten, öffentliche Bauherren, die individuelle Lösungen für die Gestaltung von Plätzen und Anlagen suchen“, beschreibt Matthias Rupp seine Kunden. Meist haben sie ein „Bild“, wie das Gestaltungselement aussehen soll. Dann ist der Unternehmer schnell in seinem Element. Er bringt Ideen ein, plant selbst und führt Versuche durch. Dazu verfügt der Betrieb über einen eigenen Formenbau. „Die perfekte Form in Kombination mit einer Top-Oberfläche — das ist unser Anspruch“. Der Blick in die Produktionshalle gibt ihm Recht. Hier werden gerade Mega-Buchstaben für die Wandgestaltung der Ostbayerischen Technischen Hoch- schule Regensburg endbearbeitet. Die bis zu 4,70 Meter hohen Einzelbuchstaben aus Textilbeton kommen mit einer Wanddicke von zwei Zentimetern aus. An dieser Stelle gerät Matthias Rupp ins Schwärmen. Auf sein Know-how bei der Verarbeitung von Textilbeton ist er besonders stolz. „Für mich hat dieser innovative Ver- bundwerkstoff eine große Zukunft. Insbesondere bei Trag- konstruktionen wie Überdachungen treten die Vorteile der dünnen Bauteile mit ihrem geringen Eigengewicht zutage.“ Von Treppen in jeder Form, über Fassadenelemente, bis hin zu verschiedenen Möbelstücken reichen die Bauteile, die Matthias Rupp mit seinem Team entwickelt und produziert. Den Zement für die Betonelemente bezieht er aus dem Werk Karsdorf. Beim CEM I 42,5 R setzt er vor allem auf die hohe Frühfestigkeit. Die Liste der Referenzen ist lang. Eine weitere soll in Kürze dazukommen. „Wir werden hier bei uns vielleicht eine Fußgängerbrücke aus Textilbeton fertigen. Mit der beacht- lichen Länge von 28 Metern“, verrät der Unternehmer. Nicht nur bei Architekten hat sich die Rupp Betonerzeug- nisse GmbH einen Namen gemacht. Künstler aus ganz Deutschland sowie Universitäten und Hochschulen treten mit Anfragen an das Unternehmen heran. So bestehen Kooperationen und regelmäßige Kontakte mit der Tech- nischen Universität Dresden und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig. Auf die TU Dresden trifft die Rupp Betonerzeugnisse GmbH auch im Forschungsverbund „autartec®“, einem Konsortium klein- und mittelständischer Industriefirmen, Ingenieurunternehmen, wissenschaftlicher Institutionen sowie künftiger Anwender. Gemeinsam wollen sie bekannte Technologien zur solaren Strom- und Wärmeerzeugung, dezentralen Speicherung, Mikrofiltration, Entkeimung usw. so weiterentwickeln, dass sie sich in die Struktur der Gebäudehülle integrieren lassen. Ende September 2017 will „autartec®“ ein „schwimmendes Haus“ vorstellen, in dem diese Komponenten integriert sind. Matthias Rupp entwickelt und produziert im Projektabschnitt „Funktions- integrierte Bauelemente aus Textilbeton“ Wandbauteile mit Batterien als Speichermedium sowie Treppenbauteile. Er erzählt: „Der Verbund hat bei uns angefragt. Man hatte von unseren Arbeiten mit Textilbeton gehört. Dass wir an einem solchen Innovationsprojekt mitwirken, erfüllt unser kleines Team mit Stolz“. Sind Projekte wie diese für den Unternehmer nicht Grund genug, um an Wachstum zu denken? Was die Technik betrifft, stimmt Matthias Rupp schnell zu. Geplant sind kurzfristig einige größere Investitionen. Allein was das Marketing angeht, zögert er etwas: „Eigentlich müsste man mehr tun; vielleicht, wenn weitere neue Produkte hinzukommen.“ Letzteres steht nach dem Gespräch außer Zweifel. Inzwischen ist auch längst klar: Es braucht nicht den mo- dernsten Internetauftritt und auch nicht das topmoderne Bürogebäude auf der Hochglanzbroschüre. Kreativität und Innovationsgeist wachsen genauso in einer ehemaligen Ziegelei im Osten Thüringens. OPTERRA Portrait Außergewöhnlich im besten Sinne

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